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Steckt ein Cyberangriff dahinter?

Plötzlich aus: Warum hunderte Porsche in Russland auf einmal nicht mehr starten

In Russland sind hunderte Porsche-Fahrzeuge plötzlich ausgefallen. Ursache soll ein Problem mit Porsche Connect und dem Tracking-System sein.

Artikel von Markus Bauer +

Es klingt wie ein Szenario aus einem Tech-Thriller-Film, ist aber offenbar Realität geworden: Hunderte Porsche-Fahrzeuge in Russland haben Ende November plötzlich den Dienst verweigert. Die Luxusautos ließen sich nicht mehr starten, manche nicht einmal mehr öffnen. Für die betroffenen Besitzer kam der Ausfall ohne Vorwarnung, ohne Fehlermeldung und vor allem ohne klare Erklärung.

In einer Zeit, in der moderne Fahrzeuge immer stärker von Software, Online-Diensten und Satellitenverbindungen abhängen, zeigt dieser Vorfall eindrucksvoll, wie verwundbar vernetzte Autos sein können.

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Wenn Hightech plötzlich zum Problem wird

Die ersten Berichte tauchten Ende November auf, wurden aber erst Anfang Dezember auch von westlichen Medien aufgegriffen. Betroffene Fahrerinnen und Fahrer schilderten, dass ihre Fahrzeuge entweder komplett tot wirkten oder sich schlicht weigerten, zu starten. Für viele bedeutete das: stehen bleiben, Abschleppdienst rufen oder kurzfristig auf alternative Transportmittel umsteigen, trotz eines Autos im sechsstelligen Preisbereich.

Besonders brisant: Der Fehler trat offenbar landesweit und nahezu zeitgleich auf, was schnell Spekulationen über einen systemischen Auslöser auslöste. Ein Cyberangriff?

Porsche-Händler findet Ursache

Einer der größten Porsche-Händler Russlands, Rolf, wurde regelrecht von Anrufen überrollt. Nach ersten Diagnosen fanden die Mechaniker eine gemeinsame Ursache: Probleme mit dem Porsche Vehicle Tracking System, das Teil der Porsche-Connect-Dienste ist.

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Dieses System ist in den meisten Porsche-Modellen ab Baujahr 2013 verbaut und dient unter anderem Fahrzeugortung, Diebstahlsicherung, Navigation und Online-Funktionen. Ein Abo-Dienst der in Russland rund 240 Euro pro Jahr kostet. Nach Einschätzung des Händlers wurde die Verbindung zwischen den Fahrzeugen und den Porsche-Satelliten unterbrochen oder deaktiviert, was wiederum automatisch einen Motor-Immobilizer aktivierte. Das ernüchternde Ergebnis: Die Luxusautos verweigern den Start. Als hätte es jemand absichtlich stillgelegt.

Zufälliger Bug oder politischer Hintergrund?

Warum es zu diesem massenhaften Ausfall kam, ist bislang nicht offiziell geklärt. Es gibt jedoch zwei naheliegende Erklärungsansätze:

Zum einen könnte es sich um einen technischen Fehler oder Software-Bug handeln, der unglücklich mit der Infrastruktur in Russland kollidierte. Zum anderen wird spekuliert, dass der Vorfall indirekt mit dem Rückzug westlicher Autobauer aus Russland im Zuge des Ukraine-Kriegs zusammenhängen könnte.

Die Porsche AG hatte, wie auch viele andere Händler, sein Geschäft in Russland bereits 2022 eingestellt. Ob der Ausfall eine unbeabsichtigte Folge dieser Maßnahmen oder lediglich ein isolierter Systemfehler war, bleibt offen. Auffällig ist allerdings: Ein vergleichbarer Vorfall wurde aus keinem anderen Land gemeldet.

Der Display bleibt dunkel, das Auto startet nicht. Dieses Szenario haben derzeit viele Porsche-Fahrer in Russland. - Bild: Envanto / Stock-Foto unter Lizenz

Der Display bleibt dunkel, das Auto startet nicht. Dieses Szenario haben derzeit viele Porsche-Fahrer in Russland. – Bild: Envanto / Stock-Foto unter Lizenz

Notlösung für betroffene Fahrer

Immerhin: Ganz hilflos sind die Besitzer nicht. Rolf-Serviceleiterin Yulia Trushkova erklärte gegenüber dem russischen Medium RBC (übersetzt via Google Translator), dass es derzeit Möglichkeiten gibt, die Sperre zu umgehen.

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Demnach kann die Blockade teilweise aufgehoben werden, indem:

  • die Werks-Alarmanlage zurückgesetzt wird,
  • das Alarmmodul ausgebaut oder deaktiviert wird.

Allerdings betonte sie auch, dass derzeit jedes Fahrzeug potenziell blockiert werden kann, solange die Ursache nicht vollständig geklärt ist. Die Untersuchungen laufen weiterhin, und eine dauerhafte Lösung existiert bislang nicht.

Rik Ferguson, Vizepräsident für Sicherheitsinformationen bei Forescout, sagte gegenüber TheRegister.com: „Moderne Wegfahrsperren reagieren nicht nur auf Ereignisse in der Umgebung des Fahrzeugs, sondern sind auf ein ständiges ‚Vertrauenssignal‘ von Cloud- oder Satelliten-Backends angewiesen. Von außen betrachtet können ein gezielter Hackerangriff und eine vorsätzliche Abschaltung des Backends nahezu identisch aussehen: Der Ortungsdienst fällt aus, das Auto interpretiert dies als Diebstahl, und die Wegfahrsperre wird aktiviert.“

Für viele Autobesitzer dürfte dieser Vorfall ein unangenehmer Vorgeschmack darauf sein, wie viel Kontrolle Hersteller heute noch über Fahrzeuge haben, selbst Jahre nach dem Kauf.

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